Hans Koch - Fred Frith

Zwei, die sich kennen und schätzen

Die beiden kennen sich seit Jahren, haben immer wieder im Abstand von ein paar Jahren – zuletzt 2009 in San Francisco – zusammen improvisiert und schätzen sich als musikalische Gesprächspartner. «Mit Hans», meint Frith, auf dessen Einladung der Wahlkalifornier nach Biel kommt, «verstehe ich mich blind. Uns gelingt es immer wieder, gemeinsam an einen musikalischen Ort vorzudringen. Und wenn wir uns nach langer Zeit wieder treffen, können wir genau dort wieder ansetzen. Wir beginnen nicht wieder bei null. Ich mag das.»

«Das Gegenteil von Hans»

Und das will was heissen, hat der 64-jährige Brite doch bereits mit allen, die in der improvisieren- den Musik Rang und Namen haben, musiziert. Er war Mitglied legendärer Formationen, darunter Henry Cow (mit Chris Cutler, Tim Hodgkin- son und Lindsay Cooper), Art Bears (mit Cutler und Dagmar Krause), Skeleton Crew (mit Tom Cora und Zeena Parkins), Massa- cre (mit Bill Laswell und Fred Ma- her) oder Naked City (mit John Zorn, Bill Frisell, Wayne Horwitz und Joey Baron), und gehört als Gitarrist neben dem leider verstorbenen Derek Bailey zu den einflussreichsten Erneuerern der improvisierten Musik. Das erklärt wohl auch die Vorliebe zu Hans Koch, der seinerseits den Stillstand stets weit von sich wies und alleine oder in wechselnden Formationen immer wieder auftritt.

Klingende Ursuppe

Aus der klingenden Ursuppe, aus der das Duo schöpft, ist oft nicht einmal auszumachen, wessen Klangkörper nun für den Sound verantwortlich zeichnet. Der elektronisch kreierte Ambient-Teppich, den sich Frith und Koch immer wieder anlegen, dient als Spielweise, auf der sich mal der eine, dann der andere auf eine virtuose Reise begibt. Mit Hilfe von Tools hinterfragt Frith nicht nur die klassische Anwendung einer Gitarre, sondern definiert sein Instrument als klanggebender Körper immer wieder neu. Da hüpfen Miniaturen durchs Gelände, umgarnen die Atemstösse Kochs, bilden mit ihr gemeinsame Pulsfrequenzen – oft nur ganz kurz, bevor ein kurzes, aber heftiges Geschnatter die Konversation über die Stränge schlagen lässt und die bisweilen mächtig aufragende Klangarchitektur wieder unterwandert und ironisch aufzubrechen vermag.

Wir auch

Und wenn Hans Koch dann seiner lyrischen Macht vollsten Auslauf gewährt, dann strebt er unaufhaltsam bis weit an die Grenzen des Möglichen heran, dort wo ihm dann Frith mit ausgereizter Dynamik entgegentritt, bevor auch dieser Gigant wieder unter lautem Tösen in sich zusammenfällt und leise, mit kaum hörbaren Atemstössen und durch Frith zartbesaitet ganz langsam, ganz bedächtig ausklingt...

Rudolf Amstutz

Le Singe

Untergasse 21
2502 Biel
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